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Mut zum Dämmen

Einen regelrechten Ansturm hatten die Experten des Kemptener „Energie- und Umweltzentrums“ (Eza) am Lesertelefon der Allgäuer Zeitung zu bewältigen. Thema Nr. 1 war Wärmedämmung, gefolgt von Photovoltaik.  Fragen und Antworten hat die  Allgäuer Zeitung unter „Das aktuelle Lesertelefon“ in ihrer Ausgabe am Freitag, 20. Januar 2012 veröffentlicht.


Der AZ-Beitrag: Mut zum Dämmen

Energie und Bauen Unsere Leser bestürmen die Experten des Energie und Umweltzentrums Allgäu (Eza) mit Fragen zur energetischen Gebäudesanierung. Fenster und Wände sollten als Einheit gesehen werden. Schimmel muss nicht sein.
[...]

Wir wollen unser 50 Jahre altes Einfamilienhaus energetisch sanieren. Wie dick sollte die Wärmedämmung an der Außenhaut des Gebäudes sein?
Eza: Zunächst empfehlen wir, ein Gesamtkonzept für die Sanierung zu erstellen. Am besten ist es, wenn Sie eine geförderte Vor-Ort-Energieberatung machen lassen. Die Adressen der zugelassenen Energieberater finden Sie im Internet. Nun zur eigentlichen Frage: Wir empfehlen eine mindestens 20 Zentimeter dicke Dämmung, es dürfen auch 25 Zentimeter sein. Kostenmäßig fällt es kaum ins Gewicht, wenn die Dämmung dicker ausfällt. Übrigens erhalten Sie auch keine staatliche Förderung, wenn Sie zum Beispiel nur eine 10 Zentimeter dicke Dämmschicht aufbringen lassen. Eine bessere Dämmung bedeutet, dass Sie weniger Wärmeverlust haben und mehr Energiekosten sparen. Sie spüren das auch: Die Behaglichkeit in den Räumen steigt.

Besteht durch eine Wärmedämmung nicht die Gefahr, dass die Wand nicht mehr „atmen“ kann?
Eza: Jedes Mauerwerk wird dicht gebaut, ein Haus „atmet“ nicht durch die Mauer. Allenfalls kann ein geringer Teil der Feuchtigkeit durch die Mauer diffundieren. Sie müssen aber in jedem Fall 95 Prozent der Luftfeuchtigkeit durch Lüften oder eine automatische Lüftungsanlage aus der Wohnung befördern. Mit der Wärmedämmung verbessern Sie die energetische Situation. Außerdem: Weil die Wand wärmer bleibt, haben Sie ein geringeres Risiko für Schimmelbildung.

Wie wirken sich neue Fenster auf Raumklima und die Schimmelgefahr aus?
Eza: Mit dreifachverglasten Fenstern und neuen Fensterstöcken können Sie Ihre Wand dicht machen. Das heißt, dass Sie künftig regelmäßig lüften oder eine automatische Lüftungsanlage einbauen müssen. Die Temperaturverhältnisse ändern sich ebenfalls. Im unsanierten Gebäude sind in der Regel die Fenster die kälteste Stelle. Wenn Sie nicht gleichzeitig die Wand dämmen, befindet sich häufig dort die kälteste Stelle. Wenn sich dann Feuchtigkeit niederschlägt, besteht die Gefahr von Schimmelbildung. Wir empfehlen daher, nach Möglichkeit Fenster und Fassade gleichzeitig zu sanieren.

Wie lässt sich bei der Gebäudesanierung verhindern, dass die Fenster hinterher wie Schießscharten aussehen?
Eza: Wenn Fenster und Fassade gleichzeitig erneuert werden, können Sie die Fenster weiter nach außen setzen. So vermeiden Sie eine Schießscharten-Optik.

In meinem Altbau habe ich in ungeheizten Räumen ein Schimmelproblem. Was kann ich dagegen tun?
Eza: Sie sollten die Raumtemperatur nicht unter 16 Grad sinken lassen und außerdem darauf achten, dass die Luftfeuchtigkeit nicht zu hoch ist. Achten Sie darauf, dass zum Beispiel feuchte Luft aus dem Bad nicht in die Wohnräume gelangt. Die Raumfeuchte darf nicht mehr als 60 Prozent betragen. Zu hohe Luftfeuchtigkeit mussdurch regelmäßiges Lüften oder eine automatische Lüftung abgeführt werden.

Wie lüfte ich richtig? Reicht es, wenn ich ein Fenster gekippt lasse?
Eza: Im Winter sollten Sie kein Fenster auf Dauer kippen. Einerseits kühlt dadurch die Fensterlaibung ab und es kann sich dort Schimmel bilden. Andererseits wird so nicht genügend Feuchtigkeit abgeführt. Sie sollten alle paar Stunden gründlich stoßlüften. Eine Alternative ist der Einbau einer automatischen Komfortlüftung.

In meiner Dachwohnung habe ich morgens Wasser auf der Innenseite meiner schrägen Fenster. Wie lässt sich das abstellen?
Eza: Eine Möglichkeit sind neue Fenster mit besserer Glasqualität, die andere Möglichkeit ist, die Luftfeuchtigkeit zu reduzieren.

Gibt es Zuschüsse für neue Fenster?
Eza: Einzelmaßnahmen, die der energetischen Sanierung dienen, werden von der KfW-Bank im Auftrag der Bundesregierung gefördert. Die Investitionssumme muss jedoch über 4000 Euro liegen. Sie erhalten dann einen Zuschuss in Höhe von 7,5 Prozent der Kosten. Wichtig ist: Der Zuschuss muss beantragt werden, bevor der Auftrag erteilt wird.

Wie wird eine energetische Gesamtsanierung gefördert?
Eza: Sie können von der KfW günstige Kredite mit Teilschuldenerlass oder einen Zuschuss erhalten. Die Antragstellung für den Kredit und die Auszahlung erfolgt über Ihre Hausbank. Die Zuschussvariante müssen Sie direkt bei der KfW beantragen. Antragsformulare erhalten Sie im Internet oder Sie können sie sich per Post schicken lassen.

Wir planen einen Neubau. Welches Mauerkonzept empfehlen Sie?
Eza: Da gibt es verschiedene Philosophien. Das klassische Wärmeverbundsystem aus Ziegel und Dämmschicht ist wohl die gängigste Variante, die energetisch funktioniert. Wir raten auf jeden Fall: Bauen Sie besser als die Norm. Wenn Sie nach der heute geltenden Energiesparverordnung (EnEV) bauen, haben Sie in wenigen Jahren bereits ein veraltetes Haus. Die EnEV wird voraussichtlich 2013 erheblich verschärft. Orientieren Sie sich lieber an den Standards der KfW-Bank für Energieeffizienzhäuser.

Wir der Bau neuer Energieeffizienzhäuser gefördert?
Eza: Wenn Sie die KfW-Standards erfüllen, können Sie günstige Kredite erhalten. Bei besonders hoher Energieeffizienz gibt es außerdem noch einen Tilgungszuschuss.
Dokumentation: W.Z.

Foto: Rainer Sturm/pixelio.de

 
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