Nach langem Gerangel um die Kürzung der Solarstrom-Einspeisevergütung, haben sich die Länder endlich auf einen Kompromiss geeinigt:
Die Einspeisevergütung wird nun zeitlich gestaffelt reduziert. Rückwirkend zum 1. Juli um 13 Prozent für Aufdachanlagen, um 12 Prozent bei Freiflächenanlagen und um 8 Prozent bei Anlagen auf Konversionsflächen und für alle Anlagentypen zum 1. Oktober um weitere 3 Prozent. Streichung des Vergütungsanspruchs für neue Anlagen auf ehemaligen Ackerflächen. Andererseits aber auch die Ausweitung des Begriffs „Konversionsfläche“ und ehemalige Verkehrs- und Wohngebietsflächen. Einführung des Vergütungsanspruchs für PV-Anlagen in einer Entfernung von bis zu 110 Meter entlang Autobahnen und Bahnstrecken sowie in Gewerbe- oder Industriegebieten.
Nötig wäre die teils schrill geführte Debatte allerdings nicht gewesen. Am Ende machen die regulären Solarstrom-Kürzungen zum Jahresbeginn, die Extrakürzungen zur Jahresmitte und die zukünftig beschleunigte Degression in der Summe nämlich fast die bereits im letzten Herbst angekündigten 30 Prozent Kürzung aus. Andererseits zeigt die monatelange EEG-Debatte aber auch den Stellenwert der Photovoltaik in den Regionen und stärkt die Position ihrer zukünftigen Rolle zur regenerativen Energieversorgung.
Die knapp eineinhalb Prozent, die PV derzeit zum Stromverbrauch beiträgt, erscheinen auf den ersten Blick mini. Doch der sich beschleunigende Zubau an PV-Leistungen zeigt, dass die Hemmschuhe (Siliziumkrise, Fertigungskapazitäten) der vergangenen Jahre erst jetzt wirklich beseitigt sind. So sanken beispielsweise die Großhandelspreise für kristalline Module aus Europa und Japan schon im vergangenen Jahr um 35 Prozent. Bei den siliziumbasierten Modulen spielt vor allem der Preisverfall für das Halbleitermaterial die Hauptrolle.
Der Verband der europäischen Photovoltaik-Industrie rechnet mit weiter sinkenden PV-Anlagenpreisen, zukünftig ausreichend Produktionskapazitäten und der Wirksamkeit der politischen Vorgaben der EU. Die Voraussetzungen für den Ausbau der Solarenergie jedenfalls waren noch nie so gut wie jetzt. Größere Bedeutung sollen auch Gebäudefassaden bekommen, bei denen der Ertrag von fassadenintegrierten PV-Anlagen bislang systematisch unterschätzt wurde. Vorschub leisten hier die vom Europäischen Rat beschlossenen Gebäuderichtlinien mit dem Ziel möglichst vieler „nearly-zero energy buildings“.
Quelle:
Matthias Brake 06.07.2010
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Telepolis